Menschen sind Herdentiere | Menschen brauchen Menschen, Gemeinschaft & Miteinander

25. März 2026

Menschen brauchen Menschen, Gemeinschaft & Miteinander

Gerade in Zeiten wie diesen, in Krisenzeiten, zeigt sich, der Mensch ist ein sehr soziales Wesen, welches großen Wert auf Gemeinschaft legt. Oder sind wir doch alles nur Egoisten?

Jeder Mensch ist Teil eines sozialen Netzes, gewollt oder ungewollt. Aber ist es nicht so, dass wir alle irgendwo dazu gehören wollen – bewusst oder unterbewusst? Wir einen Sinn in unserem Leben und Schaffen finden möchten? Miteinander interagieren und Teil einer Gemeinschaft sein wollen? Es greift zudem das soziale Prinzip der Reziprozität. Bekommen wir etwas, wollen wir dafür auch etwas zurückgeben, nicht wahr?

Gerade in Zeiten wie diesen, in Krisenzeiten, zeigt sich der Mensch zudem als ein körperliches Wesen, welches großen Wert auf Nähe legt. Uns fehlt der soziale Kontakt zu unseren Freunden und Familien. Uns fehlen Umarmungen, Küsschen und sogar das Händeschütteln. Wir brauchen unser soziales Netz, den Umgang mit und in einer Gemeinschaft.

Der Mensch ist ein Herdentier

Der Mensch ist ein Herdentier, genau wie Gnus Herdentiere sind. Das Überleben ist meist nur in der Gemeinschaft, der eigenen Herde, gesichert. In der Herde sind sie sicher. Die Gemeinschaft gibt auch uns Menschen ein Gefühl von Sicherheit. Das Bedürfnis dazu zu gehören ist tief in uns verankert. Verantwortlich dafür ist, laut Forschungsberichten, der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil des Gehirns, der Hirnstamm. Neben den Reflexen und automatisch ablaufenden Vorgängen wie Atmung oder Verdauung ist dort auch das menschliche Bedürfnis nach Anschluss verankert.

Gemeinschaft ist unabdingbar

Damit Ich, Ich werde und Du, Du wirst, ist die Gemeinschaft unabdingbar. Menschen brauchen Menschen!
Unser Gegenüber zeigt uns, dass wir existieren und, im besten Fall, dass wir mit unserer Existenz etwas bewirken. Mein Gegenüber prägt mein Ich, welches sich von seinem Ich abhebt. Nur mit dem Vergleich, kann sich eine menschliche Identität entwickeln. Nur so lernen wir, dass wir ein Ich sind, etwas, das sich von den anderen unterscheidet und ganz bewusst abgrenzt. Nicht nur in der Kindheit, sondern im Laufe des gesamten Lebens.

Interessant ist auch, dass wir uns, selbst mit einem Buch, ein Gegenüber erschaffen können, wenn wir z. B. oft alleine sind. Der Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth sagte einst: „Liest man ein Buch, tritt man in Dialog mit dem Autor, er ist das Gegenüber. In Gedanken versunken, spiegele man – oft unbewusst – Erfahrungen mit Menschen wider.“

Krisen gibt es immer, weil sie zum Leben dazu gehören. Jedoch ist es schön, wenn man da positiv herausgeht. Krisen können das Gemeinschaftsgefühl stärken oder mindern. Beziehungen zerstören oder festigen. Aber ein Fakt bleibt immer: Menschen brauchen Menschen.

Was passiert, wenn Gemeinschaft fehlt? 

Wir merken oft erst dann, wie viel uns Gemeinschaft gibt, wenn sie plötzlich weg ist. Einsamkeit ist kein Luxusproblem – sie ist ein ernstes Gesundheitsrisiko. Studien zeigen, dass anhaltende soziale Isolation das Immunsystem schwächt, Schlaf stört und das Risiko für Depressionen, Angststörungen und sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Forscher der Universität Brigham Young haben herausgefunden, dass Einsamkeit die Lebenserwartung ähnlich stark verkürzt wie das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag. Das klingt drastisch – und ist es auch. Denn unser Körper reagiert auf soziale Isolation wie auf eine Bedrohung. Stress-Hormone werden ausgeschüttet, der Körper bleibt in einem dauerhaften Alarmzustand.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Gemeinschaft ist keine nette Ergänzung zum Leben. Sie ist ein Grundbedürfnis – genauso wie Schlaf, Bewegung oder Ernährung. Wer regelmäßig echte soziale Verbindungen pflegt, lebt gesünder, resilienter und glücklicher.

Gemeinschaft im Alltag | was zählt wirklich? 

Gemeinschaft muss nicht groß sein. Sie muss sich nur echt anfühlen.

Es ist nicht die Anzahl der Kontakte, die zählt – es ist die Qualität der Verbindung. Schon ein regelmäßiges Gespräch mit einer Nachbarin, ein gemeinsames Hobby, ein Verein, eine Tanzgruppe – all das schafft Zugehörigkeit. Und Zugehörigkeit ist das, was wir als Herdentiere zutiefst brauchen.

Ich erlebe das in meiner eigenen Arbeit immer wieder: Wenn Menschen gemeinsam tanzen, passiert etwas. Nicht nur körperlich – auch emotional. Bachata ist kein Solo-Sport. Du lernst, dich einzulassen, zu vertrauen, zu führen oder geführt zu werden. Du bist Teil eines Rhythmus, der größer ist als du allein. Das ist gelebte Gemeinschaft.

Gemeinschaft entsteht überall dort, wo Menschen echte Präsenz füreinander zeigen – ob im Tanzstudio, im Buchclub, im Ehrenamt oder am Küchentisch. Die Form ist egal. Das Gefühl ist entscheidend: Ich gehöre dazu. Ich werde gesehen. Ich bin nicht allein.

Häufige Fragen | FAQs

Alles, was Du wissen möchtest

Ist der Mensch wirklich ein Herdentier?

Ja – und das ist keine Metapher, sondern Biologie. Das Bedürfnis nach Anschluss und Zugehörigkeit ist im ältesten Teil unseres Gehirns, dem Hirnstamm, verankert. Evolutionär gesehen war Ausschluss aus der Gruppe gleichbedeutend mit dem Tod. Dieses Grundprogramm tragen wir bis heute in uns – auch wenn wir heute nicht mehr von Säbelzahntigern bedroht werden.

Was braucht ein Mensch, um sich zugehörig zu fühlen?

Keine große Gruppe, sondern echte Verbindung. Es reicht, von anderen gesehen und akzeptiert zu werden – in einem Verein, einer Familie, einem Team oder einer Freundschaft. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Kontakte, sondern die Qualität: Vertrauen, gegenseitige Wertschätzung und das Gefühl, dazuzugehören.

Warum ist Gemeinschaft wichtig für die Gesundheit?

Weil unser Körper auf Einsamkeit wie auf Stress reagiert. Anhaltende soziale Isolation erhöht das Risiko für Depressionen, Schlafprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Studien zeigen sogar, dass Einsamkeit die Lebenserwartung ähnlich stark reduziert wie starkes Rauchen. Echte Gemeinschaft stärkt das Immunsystem, senkt Stresshormone und macht uns resilienter.

Was ist der Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft?

Gesellschaft bezeichnet das größere, oft anonyme Gefüge, in dem wir leben – Regeln, Strukturen, Institutionen. Gemeinschaft ist persönlicher: Sie entsteht da, wo Menschen echte Verbindungen eingehen, sich gegenseitig kennen und füreinander da sind. Man kann Teil einer Gesellschaft sein und sich trotzdem einsam fühlen – Gemeinschaft hingegen gibt uns das Gefühl: Ich bin nicht allein.

FAZIT

Damit wir eine möglichst gesunde und gut funktionierende Gemeinschaft bleiben und sein können, sollte jeder Einzelne sein Bestmögliches geben. Sich nicht nur einbringen, sondern auch mal zurücknehmen können. Sich nicht nur selbst verwirklichen wollen, sondern auch etwas sinnvolles zur Gesellschaft beizutragen haben. Wir sind Teil eines großen Ganzen. Menschen sind Herdentiere – biologisch, psychologisch, sozial. Und das ist keine Schwäche. Es ist das, was uns ausmacht. 

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Isabel Kulessa
Ich bin Autor dieses Artikels.
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