Wenn sich zwei Menschen begegnen

… und sich zwei Herzen finden. Wir treffen alle täglich mehrere Menschen, gehen an ihnen vorbei, lächeln vielleicht – die meisten nehmen wir nicht einmal richtig wahr. Statisten in unserem Leben, da und irgendwie nicht. Und dann sind da noch die Anderen.

Wenn sich zwei Menschen begegnen | Part 1

30. Okt 2018

Kennen wir sie nicht alle, die Randfiguren im Alltag? Sie sind weder in unseren Köpfen, noch  in unseren Herzen. Sie sind nur Statisten im eigenen Leben. Dann aber, gibt es Menschen die dein Leben aus der Bahn werfen. Menschen, die dein Herz mit bloßer Anwesenheit berühren & dich Dinge fühlen lassen, die du dir nicht einmal erträumt hast. Bis zu diesem Moment in meinem Leben, als ich genau diesen einen Menschen traf, dieser, der deine Welt zum Stehen und gleichzeitig ins Wanken bringt, glaubte ich nicht daran, dass das überhaupt möglich ist. Ich glaubte weder daran, dass es Liebe auf den ersten Blick gibt, noch, dass es gerade mir passieren könnte. Und schon gar nicht daran, dass es dafür tatsächlich keiner Worte bedarf.

Kitschig, denkt ihr jetzt? Ja vielleicht ist es das, aber vielleicht ist es das auch nicht.

Mal von Anfang an. Mein Tag startete wie immer, viel zu müde und völlig unmotiviert, dass Bett zu verlassen. (Randnotiz: Ich bin kein Frühaufsteher). Ich bin aufgestanden und los. Alles  zack-zack und ab zum Bahnhof, Parkplatz gefunden – und hoch zum Gleis. Einsteigen losfahren, Umsteigen, Aussteigen und schon bin ich dann auch fast am Ziel. Tag ein Tag aus, schon eine ganze Weile ging das so. An diesem Morgen fühlte ich mich erstaunlich fit, wenn auch echt durchgefroren. Am Gleis angekommen, hatte ich ein gutes Gefühl – heute ist die Bahn sicher mal pünktlich. Ihr kennt das Gefühl sicher. 

Wie immer stand ich rum und wartete auf den Zug. Ich hörte Musik und fühlte mich komischerweise ganz gut. Am HBF, morgens – Ich! Das machte keinen Sinn. Denn wie erwähnt: Ich hasse es, früh aufzustehen und besonders, in der Kälte zu warten. Komischerweise diesmal nicht. Ich war nicht mehr allein am Gleis. Mir fiel am Gleis ein Mann auf, der ebenfalls auf den Zug wartete. Auch hier völlig sinnfrei, fühlte ich mich auf einmal total hibbelig. Ich war tatsächlich nervös. Wegen ihm? Unlogischer geht es ja kaum, ich weiß!

 

Er schaute nicht zu mir rüber, aber ich konnte ihn sehen. Sein hübsches Gesicht. Er sah, in meinen Augen, wahnsinnig toll aus. Besonders ist mir sein warmes Lächeln aufgefallen. Ich setzte mich auf die Bank und wartete auf den Zug … kam natürlich nicht pünktlich, wieso auch. (Danke DB). Ich schaut runter auf mein Smartphone und änderte den Song und auf einmal stand da jemand vor mir. Ich schaute hoch und dachte „Hilfe“ & mir stockte tatsächlich kurz der Atem. ER! Ja genau, der wahnsinnig tolle Typ, der gerade eben noch woanders stand und mich nicht angesehen hat, lächelte mir zu und faselte etwas davon, wie kalt es doch sei … oder so. Ganz ehrlich Leute, ich weiß es nicht mehr zu 100%. Meine Hände waren eiskalt aber klatschnass. Ich grinste zurück und sagte sowas wie „Oh ja, saumäßig kalt und dann sitzt man hier rum und muss noch warten.“ Und er grinste wieder, mit seinem Zahnpastalächeln und seinem schönen Gesicht. Von dem Augenblick an war ich tatsächlich hin und weg, ja vielleicht sogar verliebt. Damals habe ich das nicht wirklich realisiert, musste aber seit diesem Tag nonstop an ihn denken.

Jeden Morgen gehofft ihn zu sehen, in seiner Nähe zu sitzen und vielleicht nochmal mit ihm zu reden. Wir haben uns nämlich an diesem Tag die gesamte Zugfahrt unterhalten und so super gut verstanden – das war einfach echt toll. Und mal ehrlich, Zugfahrten sind nicht so toll, morgens – kalt, müde. Aber mit ihm? War es die schönste Zeit an diesem Tag.

 

Übertreibung pur?

„Hilfe wie sie übertreibt“ -das denkt ihr jetzt vielleicht, aber ich sage nur, wie es damals für mich war. Und ich muss gestehen, dass ich damals in einer Beziehung steckte, die leider nicht mehr richtig lief. Damals habe ich nicht sofort verstanden, dass das ein Wink mit dem Zaunpfahl war. Ein weiterer Grund das Ganze endlich zu beenden und meinem Herzen zu folgen. Aber man lernt ja bekanntlich nie aus. Nur für’s Protokoll: Ich bin meinem damaligen Partner niemals fremd gegangen oder habe mich heimlich verabredet. Unsere Wiedersehen beschränkten sich lediglich auf die Zugfahrten. Da die Beziehung kriselte und mich ein anderer Mann so berührte (emotional), begann ich natürlich nachzudenken. Vielleicht sollte es so sein. Darüber nachzudenken, wieso mein Freund solche Gefühle nie in mir ausgelöst hat und wieso ich Gefühle für einen fast Fremden habe, die mich nicht schlafen lassen? Gefühle, die mich nervös machen und die mich so sehr beschäftigen? Ich habe mit niemandem darüber geredet, weil ich mir irgendwie schlecht vorkam.

 

Dann folgte der Rausschmiss

Wie gesagt, hat es ja mit meinem damaligen Freund gekriselt. Dieser hat mich von heute auf morgen rausgeschmissen. Er hat meine Sachen gepackt -Ja, ihr habt richtig gelesen. MEINE ganzen Sachen. Da bekommt man auf der Arbeit nach 3 Jahren Beziehung und gemeinsamer Wohnung eine WhatsApp, ich sollte doch heute Abend noch ausziehen, wenn ich Feierabend habe und heimkomme. Nachdem ich dann im Büro kotzend über dem Klo hing, meine Kollegen kurz dachten ich wäre schwanger und ich erstmal heulend da saß und nichts mehr konnte, musste ich irgendwie mit der Nachricht klar kommen. Ich wusste nicht, sind das Gefühle für meinen Freund/Ex-Freund, ist es Gewohnheit oder der Schock? Ich dachte, es seien Gefühle – damals zumindest. Ich habe mich gefasst und bin nach Feierabend heimgefahren. Kam rein, niemand dar – war tatsächlich schon alles gepackt. Klamotten in große blaue Säcke. Schreibtisch abmontiert, gemeinsamer Schmuck im Mülleimer gefunden – Geiler Tag!
Gut, ich also meine Sachen genommen, Freunde mobilisiert mit zu helfen (Danke nochmal) und ab in mein Kinderzimmer zurück! Damals dachte ich, die Welt bricht zusammen – bis ich nach 2 Wochen dachte: Vielleicht ist das ein Zeichen.

 

Selbstzweifel

Frauen denken bekanntlich zuviel nach. Ich würde das definitiv unterschreiben. Meine Gedanken ratterten: Du verliebst dich untypischerweise in diesen wahnsinnig tollen, netten und unglaublich intelligenten und aufmerksamen Mann und kurz darauf ist deine Beziehung beendet. Zeichen? Ich also all meinen Mut zusammen genommen … und bei der nächsten Zugfahrt von meiner Trennung erzählt. Bis dahin haben wir weder geflirtet oder sonstiges. Ich super nervös, weil ich für ihn ja auch nichts weiter als eine nette Zugbegleitung hätte sein können. Aber, es kam anders als ich dachte. Eine Woche später hat er mich nach einem Date gefragt & einen Tag vorgeschlagen. Ich war ganz aus dem Häuschen, muss ich gestehen. Das war der erste Tag, an dem ich mal wieder vernünftig essen konnte. Nachdem ich 2 Wochen lang nichts runter bekommen habe vor “Liebeskummer” … und knapp 12 kg leichter war … freute ich mich wie verrückt auf unser bevorstehendes Treffen. Dieser tolle Mann hatte tatsächlich Interesse an mir. Da waren sie wieder, die bösen Gedanken und Selbstzweifel. Interesse an mir? hmm… was will so ein toller Mann, der im Leben steht & so aussieht mit dir? Mit dir junges Ding, welches noch nicht einmal die Ausbildung oder ein Studium fertig hat? Dir, die keine 170 ist und keine 90/60/90 hat? Dir, die gerade aus einer beschissenen Beziehung kommt? Ich habe versucht, die Gedanken beiseite zu schieben und mich auf das Treffen mit diesem Mann zu freuen. Hundert Mal überlegt, ob das Outfit ok ist? Ob ich gut aussehe? Ob ich gut genug für ihn aussehe? Gott, ich hab mich noch nie sooft umgezogen, dass könnt ihr mir glauben. Und seitdem auch nie wieder! Dann dachte ich mir irgendwann: Er hat dich morgens, müde, schlaftrunken und völlig fertig gesehen – schlimmer wird es nicht mehr werden. Dann ging es & ich konnte mich freuen, jetzt so richtig.

 

Das erste Date

Er holte mich ab. Wir sind etwas essen gegangen. Mein erster Abend auf der Rü, die mittlerweile mein zweites Zuhause ist. Es war wirklich ein sehr schönes Date. Tolle Gespräche, gelacht, super verstanden und lecker gegessen. Wir sind danach zu ihm. Ja, ich weiß was ihr jetzt alle denkt – erste Date nach Hause…. Aber wir haben auf seiner Couch einen Film geschaut, weiter nichts.
Ich war so unglaublich nervös, weshalb auf einmal kamen neue Gedanken kamen. Junges Ding, gerade getrennt – heißer Single Mann – Jetzt hab ich es. Der will sicher nichts Ernstes. Klar. Wie konnte ich denken, dass so ein Mann eine Beziehung mit so einer Frau wie mir will. Und da waren sie wieder, die Selbstzweifel. Die bösen Gedanken. Unbegründet. Er hat nicht einmal versucht mich zu küssen oder sonst was. Er war aufmerksam, rücksichtsvoll, charmant und einfach ein richtiger Gentleman. Ich schlief auf der Couch, er in seinem Bett. Am Morgen bin ich zu ihm ins Schlafzimmer, um ihm einen guten Morgen zu wünschen. Wir lagen dann gemeinsam auf seinem Bett, redeten lange bis er mich heim brachte. Nicht spektakulär, aber eine der schönsten Erinnerungen! Es folgte nicht direkt, aber dennoch zeitnah ein zweites Date.

 

Das zweite Date

Auch hier – toll! Ich war so nervös, ich bin so froh, dass ich gerade Sätze heraus bekommen habe. Mädels kennt ihr das? Wenn ihr euch nicht die Beine rasiert, damit an dem Abend bloß nichts läuft? Das war so ein Abend. Ich dachte so einen Bullshit: „Du findest ihn unglaublich. Wenn er dich küsst, wirst du schwach. Aber du willst was Ernstes, also muss du stark bleiben.“ Kurzer Einwand von meinem heutigen Ich: Ein großer Fehler! – Nicht, weil ich mit ihm schlafen wollte oder er mit mir, sondern, weil ich mir dadurch noch weniger hot vorkam, als sowieso schon. Denn so habe ich mich an diesem Abend nicht einmal getraut, in seine Nähe zu rutschen oder ihn zu küssen. Ich dachte eben, auf einen Kuss folgt sicher mehr – das geht nicht. Also vermied ich selbst einen Kuss, völliger Blödsinn!!! Wieso ich sowas absurdes gedacht habe? Keine Ahnung. Jung, unerfahren und einfach unsicher hoch 100. So nun lagen wir da, essen bestellt, Film geschaut – geredet. Es war perfekt. Ich habe mich so wohl gefühlt wie ewig nicht, dass es mir fast Angst gemacht hat. Die einzige Annäherung: Er hat seinen Kopf auf meinen Schoß gelegt und ich bin durch seine tollen Haare und habe seinen Kopf gekrault. Einer der schönsten Momente, an die ich mich zurück erinnere. Sein Lächeln, alles. Es war einfach so schön. Wir haben dann etwas gekuschelt, wenn man das überhaupt so nennen kann und sind beide auf der Couch eingeschlafen. 

Der Zug ohne uns

Auf dem Bild könnt ihr einen kleinen Ausschnitt aus meinem Gedicht “Der Zug ohne uns” lesen.  Genauer gesagt ist es der letzte Part und somit der Abschluss des Gedichts.

Ich hoffe er gefällt Euch. 

Der nächste Morgen

Als ich aufwachte, war er weg. Wo? Im Schlafzimmer. Diesmal hörte ich, wie er ins Bad ging und duschte. Hilfe, ich in der Wohnung dieses Mannes und er nackt unter der Dusche. Ich lag auf der Couch und dachte die ganze Zeit nur: Oh mein Gott, oh mein Gott. Als er, nur mit Handtuch um die Hüfte gebunden,aus dem Bad kam, dachte ich, ich beginne zu sabbern. Zum Glück konnte mich beherrschen und versuchte mich direkt wieder zu sammeln. Gar nicht so einfach, dann einen geraden Satz raus zu bekommen. Da musste ich tatsächlich nachfragen, was er mich gefragt hatte – denn ich habe es irgendwie nicht gehört. Ich war scheinbar abgelenkt, weiß der Geier wovon.  Ob ich einen Kaffee möchte, lautete seine Frage, die ich mit Ja beantwortet habe. Er machte das Radio an, ich ging fix ins Bad – nach dem Rechten sehen und schnell mal mit den Fingern Zahnpasta über die Zähne schmieren… und zurück auf die Couch, den Playboy im Gepäck. Sekunde später kam er mit dem Kaffee um die Ecke und setzte sich zu mir. Ich war einfach nur… baff. Er trank einen Schluck und ging ins Schlafzimmer. Kam bekleidet wieder.
Puh, da hatte ich nochmal Glück. (Info meines heutiges Ichs: Nein, Pech!).
Wir hörten Musik, tranken Kaffee und haben gelesen. Er ein Buch, ich den Playboy. Meine damalige Erkenntnis: Da stehen ja wirklich Berichte und Interviews usw. drin, die gar nicht mal so uninteressant waren. Er las das Buch, was ich ihm empfohlen habe und wir unterhielten uns kurze Zeit später noch etwas darüber. Klingt das nicht schön? Die Sonne schien und ich fühlte mich so unglaublich wohl. Es fühlte sich alles so gut und einfach richtig an, so perfekt. Ich war zwar scheiße nervös, aber es fühlte sich gut an. Verdammt gut sogar. Er fuhr mich irgendwann nach Hause und ich dachte wirklich: Das ist er! Klingt das nicht absurd? Aber Gefühle sind halt nicht logisch. Ich war mir so sicher – den Mann will ich haben – für immer.

… doch es kommt bekanntlich immer anders, als man denkt!

 

Möchtest Du wissen, wie die Story weiter geht? 
Dann lies das Ende des Gedichts nochmal genau 😉 Oder frag mich gerne. Freue mich über den Austausch und über Deinen nächsten Besuch. ❤

Isabel Kulessa
Ich bin Autor dieses Artikels.
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